Chronik

 
Die Anfänge der Blasmusik in Nabern reichen zurück in die Zeit der Weimarer Republik. Leider sind uns aus dieser Zeit keine Dokumente mehr erhalten. Es ist lediglich bekannt, dass die damalige Musikkapelle Nabern 1930 bei einem Wertungsspiel in Vaihingen/Enz einen Preis erzielte. Unser inzwischen verstorbenes Ehrenmitglied Fritz Kapp – übrigens der einzige Musiker der damaligen Kapelle, der die Neugründung erlebte – wusste aus dieser Zeit noch etliche Anekdoten zu erzählen.

Der zweite Weltkrieg riss dann so große Lücken in die Reihen der Musiker, dass ein Weitermachen als Blasorchester nach dem Kriege wohl keinen Sinn mehr machte. Die Instrumente wurden der Stadtkapelle Owen (!) und dem Posaunenchor Nabern vermacht oder verkauft, die überlebenden Musiker gründeten 1952 den Liederkranz Nabern. Der Liederkranz Nabern feiert somit im Jahr 2012 sein 60-jähriges Bestehen.

Erst zu Beginn der 90er Jahre wurde dann in einer Nachsitzung des Beirates der Raiffeisenbank Nabern aus einer Bierlaune heraus die Idee geboren, in Nabern wieder einen Musikverein zu gründen. Denn irgendwie fehlte bei den Festlichkeiten im Ort eine Musik. Was zunächst nur als Hirngespinst herumgeisterte, nahm Dank des unermüdlichen Engagements von Hartmut Rehm rasch greifbare Formen an. Er sprach ihm bekannte Musiker aus Nabern und der näheren Umgebung an, klärte die Formalitäten mit den Behörden, hielt Ausschau nach einem geeigneten Dirigenten und fand auch Sponsoren, die das „Wagnis“ Musikverein Nabern gerne unterstützten.

Diesem persönlichen Einsatz war es dann auch zu verdanken, dass am 6.November 1992 die Gründungsveranstaltung stattfinden konnte und der Musikverein Nabern e.V. aus der Taufe gehoben wurde. 39 Personen schrieben sich als Mitglieder ein. In den ersten Vorstand wurden bei der Gründung gewählt:

Fritz Russ; 1.Vorsitzender
Hartmut Rehm; 2. Vorsitzender
Thomas Helber; Kassierer
Heide Frasch; Schriftführerin
Monika Lenk; passive Beisitzerin
Fritz Möhl; passiver Beisitzer
Walter Doll; passiver Beisitzer
Kurt Molt; aktiver Beisitzer
Rolf Gall; aktiver Beisitzer
Thomas Götzelmann
(als Dirigent Kraft Amtes in der Vorstandschaft)

Fritz Kapp, der wie erwähnt als einziger noch lebender Musiker der ehemaligen Musikkapelle die Neugründung miterlebte, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Die bei der Gründungsversammlung Anwesenden werden den Augenblick nie vergessen, als der alte Mann beim Gründungsakt vor Rührung in Tränen ausbrach.

Außerdem waren auch schon einige Musiker, die der Kapelle beitraten, bei der Gründungsversammlung anwesend, so dass Dirigent Thomas Götzelmann die erste Probe des frisch gegründeten Vereines auf Montag, den 16.November 1992 ansetzen konnte.

In dieser Probe musste man sich natürlich zunächst einmal beschnuppern. Manche sahen sich hier zum ersten Mal, manche trafen alte Bekannte wieder. Auf jeden Fall kann man festhalten, dass sich hier der Musikerstamm fand, der die Kapelle heute im wesentlichen noch trägt. Ohne den Idealismus dieser Musiker wäre die lange Durststrecke des mühsamen Aufbaues nicht zu bewältigen gewesen.

Doch zurück zur ersten Probe: Natürlich musste hier zunächst der größte gemeinsame Nenner gefunden werden. Einige der Musiker waren Naberner, die in auswärtigen Kapellen spielten oder ehemalige Naberner, die verzogen waren und woanders spielten. Aber einige hatten schon seit fast ewigen Zeiten keine (Blas-)Musik mehr gemacht. 5 Jahre Pause, 9 Jahre Pause, ja 29 Jahre nicht mehr gespielt – aber die Idee wurde hoch gehalten und das Ungewisse gewagt. 5 Stücke hatte der Dirigent zur „Sondierung“ vorbereitet: Heut spielt die Blasmusik, Na Lepschi, Meine Königin, Summernight Rock und Prager Gassen. 5 Stücke mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Und bald wurde deutlich, dass man aufgrund der doch recht dünnen Besetzung sehr kleine Brötchen backen musste.

Musiker der ersten Stunde waren (soweit wir sie noch zusammen gebracht haben):

Gebers, Hendrjik
Gall, Rolf
Götzelmann, Thomas
Hinreiner, Otto
Höger, Rudi
Kapp, Helmut
König, Peter
Molt, Kurt
Molt, Willi
Schulz, Dietmar
Schulz, Wolfgang
Stark, Dieter

Aber trotzdem sprach sich rasch herum, dass sich in Nabern etwas tat. Der ein oder andere „Reingeschmeckte“ fand sich dazu. Oder Musiker, die nicht nur in einem einzigen Verein spielen wollten, griffen der „jungen“ Truppe unter die Arme. So konnte die junge Kapelle schon ihre erste Hauptversammlung am 29.1.1993 musikalisch umrahmen. Bei der Mitgliederversammlung der Raiffeisenbank Teck - Geschäftsstelle Nabern – am 2.4.1993 trat die Kapelle zum ersten Male „halböffentlich“ auf. Verstärkt wurde sie dabei von Musikkameraden aus Ötlingen und Vellberg (Lkr. Schwäbisch Hall), der Heimat des Dirigenten.

In der Folgezeit arbeiteten die Naberner Musiker fieberhaft an einem Repertoire. Denn in Nabern wurde seinerzeit die Ortsmitte saniert und am Gasthof „Rössle“ der Dorfbrunnen neu gestaltet. Einweihung war zur Naberner Hocketse 1993 und der Musikverein umrahmte die Festreden der Offiziellen musikalisch. Tags darauf bestand die Kapelle ihre Feuertaufe als erstmals eben beim Frühschoppen der Naberner Hocketse ein 2½-stündiges Blasmusikprogramm geboten wurde. Ein Repertoire übrigens, das lange Zeit besetzungsbedingt hauptsächlich auf böhmische Blasmusik beschränkt war. Der Holzsatz war nur mit 2 Klarinetten und einer Flöte besetzt, Tenorhorn, Bariton, Bass und Schlagzeug ebenfalls nur einfach. Saxophone und Posaunen fehlten überhaupt – natürlich ganz zu schweigen von Waldhorn, Oboe, Fagott oder ähnlichem „Luxus“.

Trotzdem steckten sich die Musiker ein ehrgeiziges Ziel. Verbissen und ehrgeizig wurde geübt – sogar ein Trainingslager im Montafon wurde eingelegt. Und am 22.10.1994 konnte der Musikverein Nabern zum ersten Mal zu einem Herbstabend einladen. Motto: Böhmischer Abend.

In den weiteren Jahren konnten dann auch die ersten selbstausgebildeten Jungmusiker in die Kapelle eingebaut werden, so dass das Ensemble langsam Formen annahm. Es fanden sich außerdem Freiwillige, die sich bereit erklärten auf Posaune umzusteigen, als der Flügelhornsatz überbevölkert war. Einige Jungmusiker lernten zu ihrem Erstinstrument das Saxophonspiel dazu. In einem langsamen, aber stetigen Aufwärtstrend wurden so immer mehr wichtige Stimmen gefüllt, andere ganz neu besetzt und das Repertoire erweitert. Und immer wieder stießen auch „fertige“ Musiker von außen dazu.

Und endlich im Laufe des Jahres 1998 konnte der Musikverein Nabern von sich sagen, allein aus eigener Kraft spielfähig zu sein. Rückblickend muss man hier sagen, dass diese einzigartige Leistung, in so kurzer Zeit ein doch recht annehmbares Blasorchester aufzubauen, ohne den Idealismus der Musiker, den umsichtigen Entscheidungen der Vorstandschaft und die eiserne Geduld und das Improvisations- und Motivationstalent des Dirigenten nicht möglich gewesen wäre.

So gewappnet, entschied sich die Kapelle, am Wertungsspiel des Kreisblasmusikverbandes im Jahre 2000 teilzunehmen. Weil keine Hörner und Pauken besetzt waren, meldete man sich in der Unterstufe an. Mit dem Pflichtstück „Festliche Fanfaren“ und dem Selbstwahlstück „Three bagatelles“ erreichte man auf Anhieb die Note „Sehr gut“ und schrammte damit nur um Haaresbreite an der Bestnote „ausgezeichnet“ vorbei.

In der Zwischenzeit wurden wieder etliche Jungmusiker integriert, so dass sich der Musikverein Nabern in seinem Jubiläumsjahr 2002 als stattliches 30-Mann(Frau)-Orchester mit einem hohen Anteil an Jugendlichen präsentieren konnte. Für ihr Jubiläumskonzert hatte sich die Kapelle die Highlights der früheren Konzerte und einige neue Werke ausgewählt.

In Zukunft wird sich der Verein musikalisch an seiner weiter entwickelten Altersstruktur orientieren müssen – 10 Jahre, das ist auch eine Zeit zum Innehalten und zum Nachdenken.

Wir freuen uns auf das, was kommt!

Für den Musikverein Nabern im Jahre 2002

Thomas Götzelmann

(Dirigent)